Fair für alle

Die freie Marktwirtschaft und damit verbunden die Globalisierung und Industrialisierung der Landwirtschaft haben zur Konsequenz, dass die traditionelle Landwirtschaft weltweit zerstört wird. Ein gewaltiger Preisdruck auf die Produkte der Bauern ist heute üblich; sowohl die Erlöse aus Weizen, als auch aus der Milch können den Produzenten nicht mehr ernähren. Trotz staatlicher Subventionen, mit denen diese Entwicklung gebremst werden sollte, gaben in der Vergangenheit und geben weiterhin immer mehr Landwirte ihre Betriebe auf.

Da sich die schnell wachsende biologische Landwirtschaft nicht ganz von diesen Markt-mechanismen lösen kann, gelten auch hier in abgeschwächter Form dieselben Gesetzmäßigkeiten. Seit Beginn des Biolandbaus bestand deswegen schon immer das Bestreben die Wirtschaft insgesamt neu zu greifen. Rudolf Steiner, der Begründer der biologisch-dynamischen Landwirtschaft, setzte sich seinerzeit ganz intensiv für die Dreigliederung des Sozialorganismus ein. In diesem Kontext formulierte er schon vor 90 Jahren die Idee des „Assoziativen Wirtschaftens“, indem er darauf hinwies, dass die Einseitigkeit des freien Marktes nur zu neutralisieren sei durch eine kooperative Zusammenarbeit aller Akteure der Wertschöpfungskette (Produktion, Handel und Konsumtion).

Unsere Biovermarktungsiniativen in Luxemburg konnten sich in den vergangenen 20 Jahren nur deshalb so positiv entwickeln, weil wir von Anfang an solche übergeordneten Gesichtspunkte zu berücksichtigen versuchten. Mit den Kernbetrieben der OIKOPOLIS-Gruppe BIOG (Verarbeitung), BIOGROS (Großhandel) und NATURATA (Einzelhandel/Restaurant) und anderen Partnern aus den verschiedensten Wertschöpfungsstufen wie Cactus, Luxlait, Coboulux, Moulin de Dieschbourg usw. konnte eine überschaubare Brücke zwischen den Produzenten und den Konsumenten gebaut werden.

In regelmäßigen Marktgesprächen, an denen alle je Produktgruppe beteiligten Akteure der Wertschöpfungskette teilnehmen können, bemüht man sich gemeinsam um eine Optimierung der Werte-Schöpfung der Produktkette. Themen wie Regelung der Produktionsmengen, Preisfindung oder auch gemeinsame Kommunikation der Vorteile der Produkte aus der biologischen Landwirtschaft stehen bei diesen „Runden Tischen“ im Mittelpunkt. Bis einschließlich 2009 wurden diese Marktgespräche vom Demeter-Bond Lëtzebuerg organisiert. Es ist vorgesehen, dass in Zukunft die Initiative hierfür von der OIKOPOLIS-Gruppe selbst in die Hand genommen werden soll.

Ausgehend von diesen Grundgedanken hat NATURATA vor einigen Jahren im Rahmen von NATURATA-International und in Zusammenarbeit mit dem Verein Kultursaat aus Deutschland das Projekt FAIR-BREEDING mitinitiert. Dort geht es darum, sich gemeinsam für die Neuzüchtung von Gemüsesaatgut einzusetzen.


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