Sehr geehrter Herr Goebbels,
Niemand kann Ihnen verdenken, dass Sie als früherer Wirtschaftsminister die Gentechnik in der Landwirtschaft verteidigen. Dass Sie dabei aber Greenpeace-Aktivisten als aufmarschierende Diktatoren abstempeln und im selben Kontext ziemlich pauschal die Bio-Bauern als Produzenten totbringender Produkte darstellen, geht nun doch ein Stück zu weit.
Allein schon Ihre Behauptung, dass die Organisation Greenpeace mit ihren 1200 permanenten "Aktivisten" und einer Jahreseinnahme von 160-170 Millionen Euro unsere gesamte luxemburgische Presse auf irreführende Kampagnen reinfallen lässt, zeigt wie wenig differenziert Sie in Ihrem Rundumschlag vorgehen. Erstens sind die genannten Zahlen höchsten für Greenpeace weltweit zutreffend und nicht für die Handvoll engagierter Leute hierzulande und zweitens ist die Zahl der Streiter für Gentechnik und auch die "Kriegskasse" dieser Herrschaften mit Sicherheit um ein vielfaches grösser. Der grosse Unterschied ist allemal, dass das eine in der Regel freiwillig gespendetes Geld ist und das andere Kapital das eingesetzt wird um nachher mit der Rendite nimmersatte Shareholder zufrieden zu stellen.
Im folgenden liefern Sie dann fünf Wahrheiten als Antwort auf die Irrungen der Diktatoren, die aber auch selber vor dem Gericht der Vernunft als Irrungen demaskiert werden können.
Dabei haben Sie bei einigen dieser Punkte sogar teilweise recht, so z.B. wenn sie:
im ersten Fall Ihrer Wahrheit feststellen, dass zur Zeit noch ein Zunahme der Gentech-Landwirte und solcher Flächen festzustellen ist. Das sagt aber nichts aus über die Nachhaltigkeit dieser Technik, sondern eher etwas darüber wie erfolgreich gewisse Firmen, allen voran Monsanto, mit ihren Versprechungen, die meistens auf einen Mehrertrag abzielen, Erfolg haben. Bekanntlich fängt man mit Speck Mäuse. Ob nun die Bauern aus Südafrika, Brasilien, Indien, China, den USA und Kanada dümmer als Luxemburgs Biobauern sind ist eine Frage, die Sie Herr Goebbels selber herausfinden sollten. Sie können dabei aber nur eine objektive Wahrheit herausfinden, wenn Sie die betroffenen Bauern direkt vor Ort fragen und nicht irgenswelche Lobbyisten, die man in feinen Hotels in Brüssel oder anderen Wirtschaftszentren trifft.
Wenn Ihre zweite Wahrheit dann lautet, dass an "Genfood" noch kein Mensch erkrankt oder gestorben sei, wohl aber durch verseuchte Bioprodukte, so offenbart diese "Wahrheit" vor allem eines: der Autor hat sich nicht mit dem Thema auseinandergesetzt. Wenn ein Produkt, egal welcher Herkunft, ob bio, konventionnell oder gentechnisch hergestellt, auf irgendeine Art und Weise, z.B. durch mangelnde Hygiene verseucht wurde, kann es durchaus auch tödlich sein für den Konsumenten. Das ist Standard-Wissen heute und hat aber nun nichts mit der Produktionsmethode zu tun, es sei denn, es wurden zu massif oder unkorrekt Pestizide oder Düngerstoffe bei der Produktion ausgebracht. In diesem Kontext sei bemerkt, - würde man den abertausenden Todesopfer durch falsche Verwendung der genannten Gift-Substanzen in den Entwicklungsländern, übrigens auch Indien und Brasilien, gerecht werden wollen, käme man nicht umhin auf die bewährten biologische Landwirtschaftsmethoden zurückzugreifen.
Wenn Sie bei Ihrer Wahrheit die Behauptung aufstellen, dass Gene keine Viren und Bakterien sind, haben Sie sicher in dem Punkt recht. Fakt ist aber auch, dass das Leben nicht auf Gene und Gensequenzen zu reduzieren ist, deren Erfassung und Manipulation sowieso erst durch die moderne Computertechnik möglich wurde. Persönlich wage ich zu behaupten, dass das Leben doch noch etwas komplexer ist, als wie die Theorie mit den Genen als Buchstaben der Sprache des Lebens sie hergibt. Allein die Tatsache, dass ein und dasselbe Gen durchaus nach Bedarf des übergeordneten Organismus mehrere Funktionen übernehmen kann, mahnt zu Vorsicht bei all den überschnellen Theorien und daraus abgeleiteten Erfolgsmeldungen.
Die vierte Ihrer Wahrheiten handelt über die Koexistenz, bzw, stellt einfach eine Behauptung auf, die wiederum zeigt, dass Sie nicht sachgemäss die Frage behandeln, sondern eine eigene Meinung durchsetzen wollen. Weder die fragwürdige Tatsache, dass die Holländer dieses Problem beispielsweise sehr gut geregelt hätten, noch dass die Luxemburger selbst im Winter "Bio"-zertifizierte Tomaten aus Holland essen, hat irgendetwas mit der konkreten Frage nach den Auswirkungen vom gleichzeitigem Ausbringen von genmanipulierten Pflanzen und solchen, die es nicht sind, zu tun. Fakt ist allemal, dass praktisch alle Pflanzen offene Systeme, besser Organismen sind und durch die Bestäubung unterschiedlich weit miteinander korrespondieren. Mit ein wenig praktischem Verstand, weiss man, dass in diesem Sinne Koexistenz nicht möglich ist. Alles andere hat wenig mit objektiver Wahrheit zu tun.
Ihre fünfte Wahrheit zielt darauf ab, dass "Genfood" noch keinem vielgereisten Luxemburger geschadet hätte. Dies bleibt aber noch zu beweisen. Jedenfalls stimmen wir beide überein, dass man solche Produkte kennzeichnen soll; - wir stimmen wohl aber nicht überein, was man unter klarer Kennzeichnung versteht. Und zum Schluss fordern Sie die Befreiung vom Diktat, dass Sie als einer von 13% der Luxemburger, die "GMOs" für unbedenklich halten, endlich auch hierzulande Vitamin A angereicherten "Goldenen Reis" kaufen können. Ich kann Ihnen, Herr Goebbels, nur versichern, dass, solange Vertreter dieser 13% sich die Sache mit der Gentechnik so einfach machen wie Sie in den Artikeln in der Revue oder im Tageblatt einige Wochen vorher, lohnt es sich für ein genfreies Luxemburg zu kämpfen. Dies umsomehr, weil unsere Biobauern mit samenfesten Biomöhren für eine vorzügliche Vitamin-A Versorgung hierzulande beitragen können.
Änder Schanck
BIOG Bio-Bauere-Genossenschaft Lëtzebuerg