Presseinformationen

Alternativen zum Landgrabbing

Welche Formen von Landbesitz sind zeitgemäß?

9. April 2013

Das öffentliche Interesse an biologischem Landbau wächst – nicht nur auf Konsumentenseite. Mancher möchte Biobauer sein, doch der Mangel an ackerbaulichen Nutzflächen und hohe Bodenpreise lassen den Traum zerplatzen. Kaum eine andere Berufssparte kämpft heute mit so hohen Einstiegshürden wie die Landwirtschaft. Auch wer bereits Bauer ist, stößt auf wirtschaftlich bedingte Hemmnisse. Doch es gibt Möglichkeiten, die Hürden zu umgehen – dank eines kreativen Konzepts aus Frankreich. Zu diesem Thema organisiert die OIKOPOLIS-Gruppe einen öffentlichen Vortrag in Münsbach.

Biobauer ohne eigenen Boden

Wer in die Landwirtschaft nicht hineingeboren ist oder landwirtschaftlich nutzbaren Boden ererbt hat, kann kaum Bauer werden, denn die Pachtpreise wachsen überproportional. Zudem ist es für Öko-Bauern noch schwerer als für Lebensmittelproduzenten des konventionellen Sektors, marktwirtschaftlich „rentabel“ zu arbeiten.

Im Wissen um diese in vielen Ländern bekannte Problemlage, haben sich in Frankreich engagierte Privatpersonen und Gruppen zur Bewegung „Terre de Liens“ zusammengeschlossen. Ganz im Sinne eines assoziativen Handelns will sie gemeinschaftliche Kompetenzen entwickeln, um einen solidarischen Zugang zum Boden zu ermöglichen. Unterstützt durch private Investoren und Stiftungsgelder, erwirbt die Vereinigung Grundflächen, um sie der Bodenspekulation zu entziehen und – vorbei am berüchtigten Landgrabbing – einer ökologisch wertvollen und sozial verantwortlichen Nutzung zuzuführen. Gleichzeitig soll die Zivilgesellschaft als Gemeinschaft aktiver Bürgerinnen und Bürger gestärkt werden. Gemeinsam schaffen die Beteiligten neue Formen der Territorialnutzung, die auf solidarischer Mit-Verantwortung basieren.

Ein Quartett von Leitwerten

Für alle Aktivitäten der Bewegung gilt dabei ein Quartett zentraler Werte: Respekt (sich selbst, anderen und der Umwelt gegenüber), Solidarität, gemeinsames Handeln und Willensfreiheit.

Wie „Terre de Liens“ im Geiste dieser Leitwerte einen kollektiven Zugang zum Boden und dessen solidarische Behandlung – statt bloßer Nutzung – ermöglicht, erklärt, so anschaulich wie spannend, René Becker, Gründungsmitglied und ständiger Repräsentant der Association Terre de Liens. Der Vortrag in deutscher Sprache findet am 16.4. um 20:00 Uhr im OIKOPOLIS-Zentrum Münsbach statt, der Eintritt ist kostenfrei.

„Mein Boden, dein Boden? Der Boden ist für alle da! Wie Gemeinschaftsbesitz und „modernes Lehenswesen“ biologische Landwirtschaft ermöglichen“
Vortrag von René Becker, Mitgründer der Stiftung „Terre de Liens“ am 16.04.2013 um 20:00 Uhr im Konferenzraum des OIKOPOLIS-Zentrums: 13, rue Gabriel Lippmann, L-5365 Munsbach Der Eintritt ist frei

Info: www.terredeliens.org , www.oikopolis.lu