Akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies, um ein besseres Erlebnis auf unserer Website zu gewährleisten?

Erfahren sie mehr
  • Aktualität

30 Jahre Bio-Lëtzebuerg

Unter dem Motto « Lëtz make Luxemburg more organic ! » (etwa: Machen wir Luxemburg mehr bio!) lud die Vereenegung fir Bio-Landwirtschaft Lëtzebuerg asbl, kurz „Bio-Lëtzebuerg“, am 27. April zu einer akademischen Abendveranstaltung ins Kulturhaus Syrkus in Roodt/Syre, um ihr 30jähriges Bestehen zu feiern. Rund 170 Personen folgten dieser Einladung und erlebten einen impulsreichen Abend.

In seinem Grußwort an die Gäste aus Politik, Gesellschaft und natürlich aus der Branche selbst ging Jos Schanck, Präsident der Vereinigung Bio-Lëtzebuerg, auch auf die Entwicklung der Biolandwirtschaft in Luxemburg ein. Als Biopionier skizzierte er dabei die wichtigsten Stationen und Inspirationen der Bewegung aus erster Hand und übergab das Wort dann an Direktorin Daniela Noesen. Mit Blick auf die anwesenden Minister – Carole Dieschbourg (Umwelt) und Fernand Etgen (Landwirtschaft, Weinbau und Verbraucherschutz) – erinnerte diese daran, dass die amtierende Regierung bis 2050 100% Biolandwirtschaft in Luxemburg anstrebt. Bei aktuell 4% sei dahin noch ein weiter Weg, aber positive Visionen seien wichtig, um Strategien auszuarbeiten, wie man das angestrebte Ziel am besten erreichen könne.

Die Zeit drängt

Zeitdruck war dann auch das zentrale Thema des offiziellen Festredners Hans Herren. Der Schweizer Agrarforscher, Gründer der Stiftung BioVision und Träger des alternativen Nobelpreises, hat bereits 1995 den Welternährungspreis erhalten und befasst sich seitdem primär mit Fragen der nachhaltigen Entwicklung, wobei es zugleich um den Erhalt natürlicher Ressourcen und die Sicherung der Welternährung geht.

Im Zentrum seines Vortrags stand die Suche nach Lösungen für das Problem des weltweiten Ungleichgewichts von Nahrungsbedarf und –angebot. Die bekannte Forderung, bis 2050 müsse die globale Lebensmittelproduktion um 60-70% gesteigert werden, ist Herren zufolge falsch. Schon jetzt würden insgesamt mehr Kilokalorien pro Kopf produziert (2.600) als gebraucht (2.300). Dass dennoch statt Überschuss Mangel herrscht, hat aus seiner Sicht vor allem zwei Gründe: Lebensmittelverschwendung in den Industrieländern sowie Vor- und Nach-Ernte-Verluste in den weniger entwickelten Ländern.

Mit Verbesserungen der dortigen Produktions-, Lager- und Transportbedingungen sei es jedoch nicht getan. Entwicklungsprogramme für den globalen Süden seien nicht genug – ebenso wenig wie die notwendige Anpassung der Ernährungsgewohnheiten im globalen Norden (mehr Gemüse als Fleisch).

Darüber hinaus regt Herren an, Gelder aus öffentlicher Hand auch hierzulande anders zu verteilen, z.B. für unabhängige Forschung, denn Bio-Landbau sei nicht nur flächen-, sondern auch „wissensintensiv“. Dennoch müsse agrarökologische Forschung in der Regel mit einem Bruchteil der finanziellen Unterstützung auskommen, die konventionelle Projekte erhalten.

Actu20180503Bio Letz30Joer

Beim Anschnitt der Geburtstagstorte (v.l.n.r.): Francis Jacobs, Sonny Gottal, Patrick Kolbusch, Roland Majerus, Anja Kass-Staudenmayer, Daniela Noesen, Jos Schanck, Änder Schanck, Landwirtschaftsminister Fernand Etgen, Tom Kass, Gastredner Hans Herren, Amand Keiser, Umweltministerin Carole Dieschbourg, Julie Mousel und Daniel Baltes.

Aufruf an Minister

Die Transformation in Richtung Agrarökologie dürfe nicht länger warten – nicht bis 2050, „wie es bei Rifkin steht, denn so viel Zeit haben wir nicht.“ An Luxemburgs Landwirtschaftsminister richtete der Redner den Appell: „Herr Minister, morgen machen Sie ein Gesetz: 2030 ist das Ziel für eine grundlegende Veränderung!“

In seiner anschließenden Rede bekräftigte Fernand Etgen:„Weiderfueren wéi bis elo ass kéng Optioun.“ Man müsse unbedingt nachhaltige Produktionsweisen einsetzen, und die Biolandwirtschaft könne dabei ein Vorbild sein. Das seien wir unseren eigenen Nachkommen und allen Völkern der Erde, die unter unserer Art zu wirtschaften leiden müssten, „dringend schuldig.“

Seiner Kollegin aus dem Umweltressort blieb es abschließend überlassen, den jahrzehntelangen Einsatz von Organisationen wie Bio-Lëtzebuerg und ihren Vorgängerinnen, bio-LABEL – Vereenegung fir biologesche Land bau Lëtzebuerg asbl sowie Demeter Bond Lëtzebuerg, ein herzliches Merci zu sagen: für diese Veranstaltung und die Sensibilisierungsarbeit im ganzen Jahr sowie darüber hinaus. Die Ministerin würdigte das Engagement, über 30 Jahre die Menschen auf die Arbeit des Biosektors aufmerksam zu machen und darauf, „wie wichtig es ist, hierzulande gesunde Lebensmittel zu produzieren“.